Mobilfunk: Weitere Bestätigung des gentoxischen Potentials

von Prof. Dr. Franz Adlkofer

Campisi A, Gulino M, Acquaviva R, Bellia P, Raciti G, Grasso R, Musumeci F, Vanella A, Triglia A (2010), Reactive oxygen species levels and DNA fragmentation on astrocytes in primary culture after acute exposure to low intensity microwave electromagnetic field. Neuroscience Letters 473(1):52-55
Die erhaltenen Befunde belegen, dass ein mit 50 Hz amplituden-moduliertes elektromagnetisches Feld von 900 MHz bei einer elektrischen Feldstärke von 10 V/m und damit weit unterhalb des Grenzwertes von 41 V/m in der Lage ist, in kultivierten Astrozyten neugeborener Ratten während einer 20-minütigen Exposition die Freisetzung von Sauerstoffradikalen und die Bildung von DNAStrangbrüchen signifikant zu erhöhen. Die Beobachtung, dass die nicht modulierte Trägerfrequenz von 900 MHz im Gegensatz zur modulierten nicht gentoxisch ist, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass den geltenden Grenzwerten zum Schutze der Menschen die wissenschaftliche Grundlage fehlt. Astrozyten sind übrigens die Hirnzellen, aus denen einer der bösartigsten aller Tumore, das Glioblastom, entsteht.

Kesari KK, Behari J, Kumar S (2010) Mutagenic response to 2.45 GHz radiation exposure on rat brain. International Journal of Radiation Biology 86(4):334-343
Junge Ratten wurden 2 Stunden pro Tag über 35 Tage hinweg einem unmodulierten hochfrequenten elektromagnetischen Feld von 2450 MHz bei einer Leistungsflussdichte von 0,34 mW/cm2 (Grenzwert: 1 mW/cm2) ausgesetzt, was einer Ganzkörper-SAR von 0,11 W/kg (Grenzwert: 0,08 W/kg) entspricht. Nach Beendigung der Bestrahlung war die DNA-Strangbruchrate in den Hirnzellen der Ratten im Vergleich zu ihren Kontrollgruppen signifikant erhöht. Die erhaltenen Befunde belegen, dass die gentoxischeWirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder nicht auf isolierte Zellen beschränkt ist, sondern auch an Ganzkörper-bestrahlten Versuchstieren nachgewiesen werden kann. Die Autoren weisen deshalb zu Recht darauf hin, dass die Hochfrequenzstrahlung ein Risiko für die Entstehung von Hirntumoren darstellen könnte.

Guler G, Tomruk A, Ozgur E, Seyhan N (2010) The effect of radiofrequency radiation on DNA and lipid damage in non-pregnant and pregnant rabbits and their newborns. General Physiology and Biophysics (29): 59-66
Nicht-trächtige und trächtige weiße Neuseeland-Kaninchen wurden 15 Minuten pro Tag über 7 Tage hinweg GSM-ähnlichen 1800 MHz-Signalen bei einer elektrischen Feldstärke von 14 V/m (Grenzwert: 58 V/m) ausgesetzt. Nach Beendigung der Bestrahlung wurde im Hirngewebe der beiden Versuchsgruppen ein im Vergleich zu den Kontrollen signifikanter Anstieg oxidativer Schädigungen von Lipiden und DNA festgestellt. Bei den neugeborenen Tieren wurden derartige Veränderungen nicht beobachtet.Wiederum wurde der Nachweis dafür erbracht, dass modulierte hochfrequente elektromagnetische Felder weit unterhalb des geltenden Grenzwertes gentoxische Veränderung im Gehirn von Ganzkörper-bestrahlten Versuchstieren verursachen können.Warum dies beim Menschen anders sein soll, bedarf der Erklärung.

Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die Strahlenschutzkommission (SSK) des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) aus diesen neuesten Forschungsergebnissen ziehen wird. Diese Ergebnisse bestätigen und verstärken die Schlussfolgerungen aus der REFLEX-Studie und ihrer Nachfolgeuntersuchung. Präventivmedizinische gesundheitspolitische Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung sind dringend gefordert.


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