Aus der Krise lernen: Wie sich die Phase der radikalen Änderungen positiv nutzen lässt

Aus der Krise lernen: Wie sich die Phase der radikalen Änderungen positiv nutzen lässt. / Expertentipps der Fasten-Medizinerin Dr. Verena Buchinger-Kähler
Aus der Krise lernen: Wie sich die Phase der radikalen Änderungen positiv nutzen lässt. / Expertentipps der Fasten-Medizinerin Dr. Verena Buchinger-Kähler © obs/Klinik Dr. Otto Buchinger GmbH & Co. KG

Expertentipps der Fasten-Medizinerin Dr. Verena Buchinger-Kähler

Die aktuelle Corona-Pandemie hat auch für viele Menschen, die nicht am Corona-Virus erkrankt sind, gesundheitliche Folgen. Isolation, Ängste, Ungewissheit, Langeweile und Bewegungsmangel machen vielen zu schaffen. Die aktuelle Kontaktsperre trifft vor allem Menschen, die alleine leben. Direkte soziale Kontakte sind stark reduziert. Dadurch verstärkt sich bei vielen das Gefühl von Einsamkeit. Dies ist unbestritten eine herausfordernde Situation.

Die Begrenzung sozialer Interaktionen ist aber nur ein Aspekt der aktuellen Krisensituation. Neben Einsamkeit und Langeweile kämpfen viele Menschen mit Ängsten, Schlafproblemen und Stress. Denn Unsicherheit und Ungewissheit herrschen vor. Die meisten Alltagsroutinen haben sich von einem auf den anderen Tag radikal verändert. Das Wegfallen von Gewohntem zwingt zum Umdenken.

Chance: Üben sich selbst zu genügen

Dieser neue Umstand kann zunächst irritieren, bietet jedoch gleichzeitig eine große Chance: Die Chance zu üben, sich selbst zu genügen. Dabei aufkommende Themen, die oft unangenehm sind und daher Zeit und Energie brauchen, können jetzt bearbeitet werden. Emotionen, die bewusst wahrgenommen werden, stören uns nicht mehr in der Nacht – dies kann eine Schlüsselposition in der Stressbewältigung sein. Wer es schafft, die derzeitige Situation als Chance für seine eigene Entwicklung zu begreifen, kann dadurch viel Klarheit erlangen – wie ein Fastender, der am Ende seiner Kur sehr bei sich ist, fokussiert und voller neuer Inspirationen.

Fokus auf das Wesentliche lenken

Beim Fasten führt der Nahrungsverzicht auf natürliche Weise dazu, sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Fastende trainieren im Hier und Jetzt zu sein. Die besondere Situation, die die Pandemie mit sich bringt, bietet eben diese Möglichkeit. Wer jetzt seinen Anfängergeist übt, das heißt alltägliche Dinge bewusst so tut, als erlebe er sie zum ersten Mal, kann auf Dauer von dieser Kompetenz profitieren. Das heißt, den Fokus auf eine Sache zu lenken – nicht das Multitasking, sondern die Präsenz im gegenwärtigen Moment, das achtsame Gewahrsein, sollte besonders in der heutigen Zeit unser Mantra werden.

Das Virus verdeutlicht uns zudem unsere Endlichkeit. Diese Erkenntnis kann zur bewussten Reflektion beitragen – darüber, was im Leben wirklich zählt. Welchen Eindruck wollen wir hinterlassen? Was liegt uns am Herzen? Und auch, wer liegt uns am Herzen?

Soziale Kontakte achtsam wählen

Vor allem soziale Kontakte lassen sich im Alltag nicht immer frei wählen – jetzt ist das gut möglich. Gespräche mit Menschen, die unsere Energie beanspruchen, können wir heute meiden oder auf ein Minimum begrenzen. Während negative Kontakte Stress bedeuten, stärkt der positive Austausch mit Menschen, die uns am Herzen liegen, unser Immunsystem. Die Kompetenz, sich abzugrenzen, und der achtsame Umgang mit unseren Mitmenschen, kann eine gute Übung für die kommende Zeit sein.

Mit Gefühlen von Unsicherheit umgehen

Viele Menschen verspüren zurzeit Gefühle von Unsicherheit und Sorge. Auch diese Gefühle sind beim Fasten präsent. Vor allem, Menschen, die zum ersten Mal auf Nahrung verzichten, sind unsicher, ob sie eine Zeit ohne Essen überstehen. Dazu kommt, dass der gewohnte Tagesablauf fehlt. Beim Fasten lernt der Mensch, dass er auch aus sich heraus leben kann. Und durch die begleitende Therapie, Ängste zu verlieren.

Wir neigen oft dazu, das Negative zu sehen und uns in Sorgen zu verlieren, anstatt ein Auge für die kleinen alltäglichen Dinge zu haben. Um zu trainieren, bewusst den Moment zu erleben, ist vor allem Meditation ein hilfreiches Mittel. Schon acht Wochen Meditation, lassen die Amygdala, den Hirnkern, der für Angst und Stress zuständig ist, schrumpfen. Das konnten Hirnforscher in Studien nachweisen (Hölzel et al. 2013).

Während Angst und Sorge immer auf die Zukunft gerichtet sind und Trauer und Schuldgefühle auf die Vergangenheit, beschreiben Gefühle von Liebe, Glück und Zufriedenheit den gegenwärtigen Moment. Jetzt ist ein wunderbarer Zeitpunkt, Meditation in den Tagesablauf zu implementieren, um diese positiven Gefühle zu stärken.

Strukturierter Tagesablauf gibt Stabilität

Grundsätzlich ist eine Strukturierung des Tagesablaufes in der jetzigen Zeit hilfreich, da Strukturen Halt und Sicherheit geben. Daher ist zu empfehlen, zu festen Zeiten zu essen, regelmäßig Bewegung und frische Luft einzuplanen. Auch das tägliche Führen eines Journals kann Stabilität geben und bietet die Möglichkeit zu reflektieren. Wer etwa am Abend drei Dinge aufschreibt, für die er an diesem Tag dankbar ist, kann davon täglich und dauerhaft profitieren.

Genauso wichtig, wie die täglichen Routinen, sind regelmäßige Ruhezeiten. Nach einer Atempause in Stille, können wir mit neuem Fokus Großes leisten. Diese Erfahrung machen viele Menschen nach einer Auszeit durch eine Fastenkur. Genauso wichtig, wie längere Auszeiten, sind die kleine Pausen im Alltag. Stille ist dabei von elementarer Bedeutung. Ohne Zeiten in Stille können wir nicht funktionieren. Ohne Stille würde auch kein Musikstück funktionieren, es wäre lediglich eine Aneinanderreihung von Tönen. Die derzeitige Situation gibt uns, mehr als sonst, die Chance, zu lernen Stille zu genießen.

Hinweis: Die Medizinerin und Fastenexpertin rät nicht dazu, in der Quarantäne-Zeit in Eigenregie komplett auf Nahrung zu verzichten. Intervallfasten, wie die 16:8-Methode, hält sie für durchaus sinnvoll – ebenso eine Umstellung auf vegetarische Kost.

Über Dr. Verena Buchinger-Kähler

Ihr Urgroßvater Dr. Otto Buchinger entwickelte vor 100 Jahren die Buchinger-Fastenmethode. Heute leitet Dr. med. Verena Buchinger-Kähler, als erste Frau der traditionellen Arztfamilie, die Buchinger-Klinik in Bad Pyrmont. Sie ist verheiratet und Mutter eines kleinen Sohnes.

Aufgewachsen im Klinikumfeld, arbeitet die heute 34-jährige, bereits als Jugendliche in verschiedenen Bereichen der Fastenklinik mit. Ihr Wunsch Ärztin zu werden, steht früh fest. Schon vor ihrer Facharztausbildung im Bereich “Plastische-, Hand-, Verbrennungschirurgie”, sammelt die engagierte Medizinerin internationale Praxiserfahrungen in der Allgemeinmedizin, Kinderonkologie und Notfallmedizin. Sie veröffentlicht wissenschaftliche Arbeiten, hält Fachvorträge und Vorlesungen.

Nach den Einblicken in die medizinische Welt außerhalb des Familienunternehmens, beschließt die Ärztin, sich voll und ganz der Buchinger-Fastentradition zu widmen. Neben Weiterbildungen in anerkannten Naturheilverfahren und Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM), konzentriert sie sich dabei auch auf die modernen Ansätze der Mind-Body-Medicine.

Im Jahr 2017 zieht die Fastenexpertin mit ihrem Mann, Betriebswirt Christian Kähler, nach Bad Pyrmont, um gemeinsam die Leitung der Buchinger-Klinik zu übernehmen. Ihr Ziel: Menschen dabei zu helfen, ein selbst bestimmteres und gesünderes Leben zu führen.

© Originalcontent Klinik Dr. Otto Buchinger GmbH & Co. KG

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